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Kanustation
Ansprechpartner:
Michael Hesse Tel.: 01 71/50 25 033
bootshauswart-michael@kanusport-harburg.de

Beschreibung der Kaustation beim DKV
Übernachtungspauschalen:
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DKV Mitglied
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Nicht Mitglied
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| Erwachsene |
3,50 €
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5,00 €
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| Jugendliche / Schüler |
1,50 €
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2,50 €
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| Kinder bis 7 Jahre |
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| Zelt |
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Das schreiben unsere Gäste:
Axel und Ralf unterwegs mit dem Hühnerschreck, bei uns am 18. August 2006:

Mit dem MAW „Hühnerschreck“ Bootsmotor auf der Elbe von Hitzacker über Hamburg nach Stade 18. / 19. 08. 2006
Die Vorbereitung
Nachdem 1959 die Produktion des MAW Fahrradhilfsmotors eingestellt wurde, entwickelte man in Magdeburg aus diesem Motor den Seitenbord Bootsmotor „PFEIL“.(1959-1962) Dieser Motor wurde gegenüber dem Fahrrad um 90 Grad gedreht und mit einer speziellen Halterung an Faltbooten und anderen Booten dieser Größenordnung angebracht. Das Ritzel wich einem Gewindestück, an dem mit einer Überwurfmutter die Welle mit der Schraube angebracht wird. Die erste Fahrtwind gekühlte Motorvariante machte aber große Probleme bei Flaute oder gleich schnellem Rückenwind, so dass der Motor heiß lief und streikte. Ein angebrachtes Axialgebläse brachte dann aber Abhilfe. Ein langes Leben war diesem Motor aber nicht beschieden. Motoren vom Typ Tümmler und Forelle traten in den Vordergrund und schoben den Hühnerschreck aus dem Rennen. Sicherlich auch wegen seiner Lautstärke. Eine Stunde hält man es neben ihm ja noch aus, aber dann reicht es wirklich. Das war auch der Grund die Fahrt Flussabwärts anzutreten, um die Drehzahlen und somit die Lautstärke in Grenzen zu halten. Außer im Hamburger Hafen (man könnte ja eventuell ein Hupsignal hören) waren Ohrstöpsel unabdingbar.
Eigentlich sollte dieser Motor nur zu Ausstellungszwecken dienen. Aber wenn man auf einen Wassersportler wie Ralf Schwarz aus Kalbe/Milde trifft, dann kommt eben alles anders als man denkt. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sagte Ralf „Ich habe das Boot zu diesem Motor“. Auf die Frage von mir „Soll ich den Motor überholen?“ wurde sein Grinsen noch breiter, verbunden mit den Worten „Mach mal“. Dass damit die Weichen gestellt waren mit einem Hühnerschreck die Elbe im Hamburger Hafen umzurühren, daran dachte wohl erst einmal niemand. Die erste Probefahrt im vorigen Jahr auf der Elbe bei Gorleben verlief - was den Motor betrifft - fast zufrieden stellend. Währen dieser Fahrt sagte Ralf „Wir können ja mal nach Hamburg fahren“. Während mein Unterkiefer noch beim Herunterklappen war, zeigte sich bei Ralf schon wieder dieses breite Grinsen im Gesicht, welches auch ausdrückte das Hamburg als Ziel bei ihm fest stand. Nachdem über die Wintermonate die konstruktiven Mängel beseitigt wurden, die diesem Motor nun einmal anhaften, verlief die Probefahrt in diesem Jahr sehr zufrieden stellend. Nur die Überwurfmutter der Schraubenwelle löste sich immer wieder. Entgegen den Hinweisen im Begleitheft zu diesem Motor wurde das Fett vom Gewindestück und der Überwurfmutter entfernt - verbunden mit dem Gedanken, was sich mit Fett löst, könnte ohne Fett halten. Das war es dann auch.
Die Vorbereitungen für diese Fahrt liefen dann an. Während sich Ralf um das Boot, Zelt, Küche, Verpflegung, Tidenkalender und Navigation kümmerte, wurde von mir die motortechnische Ausrüstung zusammengestellt. Das DDR Faltboot Pouch RZ 85/II hat eine Zuladung von 250 Kg, die aber etwas überschritten wurde. Und jeder Stauraum hat nun einmal seine Grenzen. Einen probehalben Verstau gab es nicht. In Kalbe und Salzwedel wurde mit jedem Stück gegeizt, was nicht unbedingt erforderlich war. Zwei Löffel, Gabeln und Taschenmesser mussten reichen. Die Zahnputzbecher als solche blieben auch zu hause. Denn Schmier- und Treibstoff mussten ja auch noch mit. Jeder Schraubenschlüssel, der durch eine Zange ersetzt werden konnte, wurde aussortiert. Eine Ersatzzündkerze und eine Sicherheitsnadel als Ersatzkerzenstecker im Portemonnaie wurden neben einer kompletten Zündungsgrundplatte und Einstellgeräten mitgenommen. Denn dieser Motor ist bedingt durch die Gebläseschlitze sehr offen und somit für eindringendes Wasser sehr empfänglich. Dachten wir. Eine teilweise Demontage des Motors zur Behebung eines elektrischen Ernstfalles war einkalkuliert. Bei einer Probefahrt hatte er ja schon einmal etwas Wasser geschluckt, es aber gut verdaut. Nach diesem Vorfall wurde auch Ralf misstrauisch, denn er kennt diesen Motor ja nur von außen. Auf meine Äußerung „Wenn uns das im Hamburger Hafen passiert“, erschien bei Ralf wieder das Grinsen verbunden mit den Worten „ Dann nehmen wir eben den Holzmotor (Paddel)“.
Der erste Tag
Nun war es soweit. Wir ließen uns von Salzwedel nach Hitzacker bringen, setzten das Boot ein und verstauten die Sachen. Das Boot war krachend voll. Einen zweiten Motor, den wir für den totalen Ernstfall im Hamburger Hafen mitnehmen wollten, passte nicht mehr hinein. Dazu sagte Ralf nur „Eigentlich wäre es auch unsportlich“. Das fand an diesem Punkt auch meine Zustimmung. Aber da waren sie auch wieder meine Gedanken an den Hamburger Hafen - mit seiner Berufsschifffahrt und den Kreuzwellen ,die im Wasserwanderatlas wie folgt beschrieben werden:
„Hamburger Hafen: Die Befahrung mit Kanus oder Ruderbooten erfordert viel Erfahrung und gute Ausrüstung (gedeckte Ruderboote und Kanuspritzdecke).!!Kreuzwellen, meist Spundwandufer ohne Treppen bei Kenterung!!!“
Das klingt doch auch wirklich irgendwie sehr beruhigend .
Und natürlich dachte ich auch an einen im wahrsten Sinne des Wortes abgesoffenen Motor.
An ein Zurück war nicht zu denken und das wollten wir auch nicht. Lieber so ein Abenteuer, als ein Nachmittag mit einem Kaffeetrinken. Der Motor wurde um 8:30 Uhr gestartet und in langsamer Fahrt verließen wir den Hafen von Hitzacker bei Elbkilometer 523. Das Boot mit uns und seiner Ladung war gut getrimmt und lag auch gut im Wasser. Die Elbe war spiegelglatt wie ein Ententeich und die Sonne gab auch ihr Bestes. Da keine Schiffe fuhren, nutzten wir die Hauptströmung um Kraftstoff zu sparen und um zügig voran zu kommen. Die Verbrauchsangabe von 4 Litern auf 100 Km bezieht sich ja auf Boote ohne Zuladung bei besten Bedingungen. Wie viel wir verbrauchen würden, noch keine Ahnung. Lediglich der Motor samt Halterung musste noch wegen meiner Beinfreiheit beim Steuern nach vorn geschoben werden. Das geht aber ohne Schwierigkeiten im Standgasbetrieb während der Fahrt. Anhand der Kilometertafeln und der Armbanduhr wurde eine Geschwindigkeit von ca. 12 Km/h eingestellt. Da der Tankinhalt nur 1,6 Liter beträgt war ein Teil des Benzins in kleine Behältnisse abgefüllt, so das während der Fahrt nachgetankt werden konnte. Diese wurden in den zwei Pausen die wir bis Hamburg machten, wieder aufgefüllt. Nachdem wir uns so gut es ging häuslich eingerichtet hatten, gab es das zweite Frühstück während der Fahrt. Denn Zeitverschwendungen kamen auch in dieser Hinsicht erst einmal nicht in Frage. Das Regenwetter was vorausgesagt wurde ,war wohl nicht für uns bestimmt, so dachten wir erst einmal. Die Ohren wurden mit Gehörschutzstöpseln dichtgemacht aber der Hühnerschreck war immer noch gut zu hören. Kommuniziert wurde in der untersten Stufe über Handzeichen und wenn das nicht reichte, über die kurzzeitig entstöpselten rechten Ohren. So fuhren wir ganz entspannt Elbabwärts und genossen Fluss und Landschaft. Um 10:38 erreichten wir die Fähre bei Bleckede, wo wir die Geschwindigkeit etwas drosseln mussten. Um 12:00 Uhr war Lauenburg erreicht, verbunden mit einer kleinen Hafenrundfahrt. Zehn Minuten später landeten wir bei Lauenburg (am Elbkilometer 571) an einem kleinen sandigen Ufer. 48 Flugkilometer bei 3h und 40 min Motordauerbetrieb, das war doch schon was. Der Tank und die kleinen Behältnisse für das Nachtanken während der Fahrt wurden wieder gefüllt und ein Blick auf den Benzinvorrat ließ in Bezug auf diese Reserven Hamburg näher rücken. Das Mittagessen bestand aus Brot, Salami, französischem Käse, Oliven und Mineralwasser. Ein Teil einer Palette, das irgendwann einmal angeschwemmt wurde, diente dabei als Tisch. Warmes Essen sollte es erst in Hamburg geben. Denn noch lagen 45 Flusskilometer bis zum Hamburger Quartier und eine Schleusung vor uns. Ein aufziehendes Gewitter veranlasste uns um 13:00 Uhr zu einem schnellen Aufbruch. Die Spritzdecke vom Boot wurde angebracht und los ging es. Durch die Halterungen vom Motor konnte die Spritzdecke aber nicht ganz geschlossen werden und so machte das Boot etwas Wasser, was aber nicht weiter schlimm war. Da aber nicht alles Regenwasser bis ganz unten ins Boot wollte, sammelte es sich in unserer Kleidung. Na schön. Bis zur Gezeitenschleuse Geesthacht regnete es ziemlich heftig. So gut wie möglich regendicht verpackt, konnten wir aber dem Bau der Deichverstärkungen und den Anglern zusehen und hatten so eine Ablenkung vom schlechten Wetter. Da die Schiffe in diesem Bereich der Elbe ziemlich schnell fahren, erzeugen sie auch ziemlich hohe Wellen. Schnell fanden wir heraus, dass man das Boot so drehen muss, dass sie von hinten kommen. So kann man dann auch mit Hühnerschreck und Faltboot prima surfen. Bald war auch die Gezeitenschleuse Geesthacht in Sicht. Gebaut wurde diese, um den Anforderungen der Schifffahrt in Bezug auf die Wasserstände bei Ebbe gerecht zu werden. Denn der Tidenhub der Nordsee beträgt an dieser Stelle bis zu drei Metern. Die 21 Km wurden in 1h und 10min zurückgelegt. Um 14:30 Uhr öffneten sich die Schleusentore wieder und weiter ging es in Richtung Hamburg. Die himmlischen Schleusentore waren aber auch immer noch offen. Mit der Zeit aber ließ der Regen nach und er hörte sogar auf. Am Flusskilometer 608 ca. 1 Km vor der Stelle, wo sich die Elbe in Norderelbe und Süderelbe teilt, wurde noch einmal eine Pause eingelegt, um die kleinen Tankbehältnisse aufzufüllen. Die 24 Km von Geesthacht wurden in 1h und 45min zurückgelegt. Während wir uns die Beine vertraten, lief das Wasser weiter wegen der Ebbe ab und legte unser Boot erst einmal sicher an Land ab. Aber ohne uns etwas zu sagen. Vorsichtig wurde es wieder in sein Element gebracht, denn die neue Haut des Faltbootes, das auch so um die 46 Jahre alt war wie der Hühnerschreck, sollte keinesfalls beschädigt werden. Und wieder hieß es dann schnell aufbrechen. Denn die dunklen Wolken aus nordwestlicher Richtung versprachen nichts Gutes. Früher hatte der Wetterbericht doch so oft Unrecht. Der für diesen Tag war wirklich präzise. Es regnete nicht, es schüttete nur so und dieser Wolkenbruch sorgte dafür das wir fast völlig durchnässt waren. Bloß gut, dass die anderen Sachen wasserdicht verpackt waren. Diese letzten 7 Km bis zum Kanusport Harburg von 1953 e.V. auf der Halbinsel Schweenssand / Pionierinsel in der Süderelbe, nahe der Europabrücke, wurden in 35 min zurückgelegt. Hier enden auch unsere Aufschreibungen in unserem Logbuch. Denn auch dieses Heftchen war völlig durchnässt. Mühsam wurde das erste Blatt getrocknet. Als die Mitglieder des Kanuclubs uns durchnässte Gestalten sahen, wurde uns gesagt, dass wir im Clubraum schlafen könnten. Bier und Limo sind im Kühlschrank und den Herd, Dusche und Toilette werdet ihr finden. Wir bezahlten dann den gültigen Obolus für die Übernachtung und machten erst einmal Kaffee und warmes Essen. Während dessen brachen die Kanusportler zu einer Nachtfahrt auf. Danach erst einmal duschen und in trockene Sachen. Bei einem Bierchen wurde der Tag ausgewertet und dabei überlegt, ob und wie wir durch den Hamburger Hafen kommen. Danach ging es in die Schlafsäcke. Endlich Ruhe und Entspannung. Nun ja, bis Ralf auch die letzte Mücke gefangen hatte. Der Hühnerschreck tuckerte aber immer noch in den Ohren.
Der zweite Tag
Hatte seinen Anfang richtig gesehen schon am Abend vorher. Da Ralf mit der Ebbe auslaufen und den Berufsverkehr im Hamburger Hafen zeitlich unterlaufen wollte, fragte er mich, wann es denn morgens so hell wird. Darauf sagte ich ihm “An freien Tagen wenn man die Augen aufmacht“. Somit war erst einmal ausschlafen angesagt. Also dann frühstücken, packen, Boot und alles was dazu gehört ans bzw. ins Wasser bringen, die Sachen verstauen und den Motor starten. Um 9:10 Uhr ging es dann in Richtung Köhlbrandbrücke. Die wollten wir auch unter allen Umständen erreichen. Die Fahrt bei Flut gegen die Strömung machte auch keine Schwierigkeiten. Den Motor hatten wir ja auch schon stromauf getestet. So tuckerten wir dann gemütlich durch die Süderelbe. Die Sonne schien und viel zu sehen gab es ja auch. Ein plötzlicher Schwergang beim Motor hatte seine Ursache in Wasserpflanzen die sich um die Schraube gewickelt hatten. Standgas einstellen, auskuppeln und die Schraube aus dem Wasser heben und das Grünzeug entfernen. Und schon ging die Fahrt weiter. Dann kam sie endlich in Sicht, die Köhlbrandbrücke. Es ist wirklich beeindruckend, von unten dieses Bauwerk zu sehen. Unmittelbar hinter der Brücke wurden die 0,6 Liter Benzin nachgetankt, die wir für die 8 Km stromauf verbraucht haben. Stromauf? Ja, denn bei Flut fließt die Elbe in Hamburg rückwärts. Nur noch zwei Kilometer bis zum Hamburger Hafen, dort wo sich die Süderelbe mit der Norderelbe vereint. Das war auch der Punkt an dem die Entscheidung getroffen werden musste ob die Elbe überquert werden konnte oder ob die Rückfahrt zum Kanusport Harburg angetreten werden musste. Ca. 400 Meter quer zur Strömung bei kabbeligem Wasser und etwas höherem Wellengang standen dann vor uns und auch vor den 1,3 PS des Hühnerschrecks. Die sofortige Querung ging nicht, denn ein kleinerer Tanker schob sich zwischen uns und dem anderen Ufer. Da ein Hühnerschreck keinen Rückwärtsgang hat, fuhren wir langsam in Richtung Landungsbrücken an der Einfahrt des Kohlenschiffhafens vorbei bis zum Vulkanhafen. Dort wurde noch einmal die Lage gepeilt. Linker Hand in einiger Entfernung näherte sich ein Bugsierschiff und dahinter ein so richtig großer Pott. Einer von denen, die sich auch auf die Weltmeere herauswagen. Rechter Hand waren vier von den schnell fahrenden Schiffen die dem Berufsverkehr zuzuordnen sind in weiter Entfernung zu sehen. Ralf zeigte den nach oben gestreckten Daumen und wies mit der Hand in Richtung des gegenüberliegenden Ufers. Das Boot bekam jetzt erst einmal einen Vollgasschub, um schnell die nötige Geschwindigkeit zu erreichen. Denn jetzt hatten wir die Berufsschifffahrt im Nacken. Und die wollten wir möglichst nicht behindern. Das Ruder hart Backbord und los ging es. Den Gashebel dann in Halbstellung, mehr ging auch nicht denn ab und zu tauchte der Auspuff ins Wasser und die Lüftungsschlitze vom Gebläse liegen ja nur etwas höher. Die Überquerung der Elbe lief tadellos, trotzdem der Motor doch einige Male etwas Wasser geschluckt hatte. Ca. 300 Meter vor diesen vier Schiffen erreichten wir die andere Seite und drehten das Boot in Richtung Nordsee. In einem Abstand von ca. 20 Metern von den Spundwänden wurde die Fahrt dann fortgesetzt. Das Wasser war ganz schön aufgewühlt und hin und wieder schluckte der Motor wieder etwas Wasser. Wenn das die Kreuzwellen sind, dann ist das doch gar nicht so schlimm so dachte ich. Noch.
Die vier Schiffe zogen an uns in einigem Abstand vorbei und die vom ersten Schiff erzeugten Wellen waren wieder zum Surfen geeignet. Als diese dann aber an den Spundwänden reflektiert wurden und sich mit denen von den anderen Schiffen brachen, da wussten auch wir was Kreuzwellen sind. Es gibt dann nur noch Wasserberge, so hoch dass man wenn man unten ist, über sie nicht hinweg schauen kann. Wenn es bergab ging, kam unsere Schraube aus dem Wasser und der Motor tourte hoch. Die Spitze vom Boot bohrte sich ins Wasser und der Motor schluckte dann ordentlich Wasser. Zuerst dampfte der Auspuff und dann die Kühlrippen vom Motor. Die Lamellen vom Axialgebläse bliesen wohl das Wasser nach oben. Irgendwann waren wir dann auch wieder oben und das Spiel ging von vorn los. Bergab wurde dann das Gas zurück genommen und unten wieder kräftig Gas gegeben Eigentlich müsste er doch schon lange aus sein, das war jedes Mal mein Gedanke wenn er Wasser schluckte und trotzdem dampfend weiter lief. Man hatte das Gefühl, nicht mit einem Zweitakt OTTO Motor zu fahren, sondern mit einer Dampfmaschine. Ralf hatte schon im Vorfeld den Fotoapparat gegen das Paddel getauscht um uns beim Motorausfall etwas voran zu bringen und uns davor zu bewahren gegen die Spundwand geschleudert zu werden. Den Tipp hatten wir von den Kanusportlern bekommen. Das war aber nicht notwendig, denn dieser kleine Motor hat uns während der ganzen Fahrt nicht einmal im Stich gelassen. Wie er diese Tortur mit den Kreuzwellen überstanden hat, das ist mir bis heute ein Rätsel und das wird es wohl auch immer bleiben. Diese Kreuzwellen ebbten dann ein wenig ab und wir beschlossen links vom Anleger der Bugsierschiffe weiter zu fahren. Ein leises Hupsignal, das in unserem Motorgeräusch zu vernehmen war, wurde erst einmal als weit weg und nicht für uns eingestuft. Das Zweite dann nicht mehr. Ein seitlicher Blick und ich sah ein großes Schiff von der Wasserschutzpolizei fast auf gleicher Höhe neben uns. Mein erster Gedanke war, anlegen geht nicht. Dann Ralf anstoßen damit er es auch sieht. Wie oft sie vorher schon gehupt haben das kann man nicht so genau sagen. Es war von ihnen auch nur der gut gemeinte Hinweis in einer Form einer S-förmigen Handbewegung das wir den Weg hinter dem Anleger wählen sollten. Die erhobene Hand signalisierte ihnen das wir sie verstanden haben. Das Ruder wurde hart Steuerbord gelegt und das Boot bekam einen Vollgasschub. Ralf half mit dem Paddel auf der Steuerbordseite nach und so machten wir eine Kehre fast auf der Stelle. Backbordseitig das gleiche Manöver noch einmal und wir waren hinter der Spitze des Anlegers. Ein hochgehaltener gestreckter Daumen als Dank zu den Herren da oben und den Motor auf Standgas herunter getourt. Endlich Entspannung. Ralf blickte auf den Motor der friedlich tuckerte,, als sei überhaupt nichts gewesen. Dass dieser immer noch lief, verstand auch er nicht.
Im Begleitheft des MAW Bootsmotors PFEIL steht zu den werkseigenen Tests folgendes geschrieben: „ Im allgemeinen wird die Beanspruchung des Seitenborders PFEIL nicht so hart verlaufen, als wir bei unseren Versuchen erprobt haben, darin liegt für Sie eine gute Sicherheit!“
Wie sie damals diesen Motor getestet haben, das wissen wir nicht. Wir sind aber der Meinung, hart am Limit gewesen zu sein. Denn diese 200 Meter in den Kreuzwellen kamen uns vor wie eine ganze Ewigkeit.
Nachdem wir uns etwas erholt hatten, sahen wir uns erst einmal die Bugsierschiffe aus der Nähe an. Später haben wir sie dann auch allerdings von Weitem im Einsatz gesehen. Dabei hatte man das Gefühl, dass sie keinen Gashebel haben sondern nur einen Kippschalter an dem nur EIN und AUS steht. Bei den Fähren und Lotsenschiffen war es nicht anders. Zeit ist scheinbar auch dort Geld und von Seefahrtromantik sicherlich keine Spur. Zwischen dem Anleger der Bugsierschiffe und dem Museumshafen Ovelgönne gab es noch einmal Kreuzwellen, die allerdings geringeren Ausmaßes waren. Aber Wellen haben uns jetzt sowieso nicht mehr gestört. Im Museumshafen Ovelgönne, den wir durchfahren haben, wurden die Mannschaften und Gäste einiger Schiffe auf dieses laute Paddelboot, welches nicht paddelt, aufmerksam. Freudige Gesichter und Optimistendaumen auf den alten Schiffen. Derer haben wir noch sehr oft zu sehen bekommen. Egal ob von Jetskifahrern oder von den sehr schnellen Motorbooten, die bei Vollgas nur auf der Schraube stehen und längsseits kamen und sich dieses Gefährt ansahen. Obwohl wir vom Blankeneser Ufer im Schnitt 60-80 Meter entfernt waren, sorgte dieses Gefährt auch dort für Aufmerksamkeit. Sicherlich war es neben der immensen Lautstarke auch der seitliche Antrieb. Seitenborder waren immer schon Außenseiter und heutzutage um so mehr. Von den Fähranlegern und Aussichtspunkten wurden wir von einigen Leuten gefilmt. Wenn irgendwann jemand von ihnen diese Zeilen liest, wäre es schön, wenn wir eine Aufnahme davon bekommen könnten.
Vom Museumshafen an wurde die Fahrt entspannt fortgesetzt und unsere Augen widmeten sich wieder dem Fluss und der Landschaft. An Finkenwerder mit der Airbuswerft vorbei kamen wir in das eigentliche Revier der Sportboote. Auf den Wellen von den großen Schiffen wurde wieder gesurft, während gegen die Wellen der Sportboote wieder und wieder gegen gesteuert werden musste. Denn wenn die zweite Welle längsseits kam, schluckt der Motor unweigerlich Wasser. Und davon hatte er wahrlich schon genug bekommen. Die vielen Lenkmanöver an diesem Tag wurden bei mir mit einer Blase am linken Hacken quittiert.
In Blankenese an einem Strand gingen wir dann erst einmal zur Landung über. Ralf zog das Paddel hervor das wir zum Ab- und Anlegen immer brauchen, als der Motor auf einmal sehr schwer lief. Im gleichen Moment ertönte ein metallisches Klicken. Das war’s dachte ich. Es stellte sich aber heraus, dass ein großes Stück von einem Plastesack, das in der Schraube hing, für den Schwergang des Motors verantwortlich war und das Klicken kam von den Metallhülsen des Paddels, welches Ralf gerade zusammensteckte. Erleichterung. Frühstücken, tanken und dann weiter, das hatten wir vor. Eine große Welle von einem Schiff trug unser Boot erst aber einmal ein Stück an Land. Jetzt war es Ralf der ein verdutztes Gesicht machte. Ich sagte zu ihm nur, „Ich mache hier nichts mehr, denn es ist Flut und wenn das Wasser unser Boot schon aufs Trockene geworfen hat, dann soll das Wasser gefälligst dafür sorgen das es auch wieder schwimmt.“ Ralf war dann der gleichen Meinung, denn unsere Sachen mussten ja auch noch trocknen. Interessierte Schaulustige hatten wir mittlerweile auch schon genug und viele Fragen zum Boot, zum Motor und dem Woher und Wohin waren zu beantworten. Mittlerweile hatte unser Boot wieder genügend Wasser unter dem Kiel und der Motor wurde mit einem kleinen Dreh an der Schraube angeworfen. Soweit er noch etwas Betriebswärme hat geht das und man spart sich das Aufwickeln der Anreißschnur auf die Anreißscheibe. Weiter ging es dann in Richtung Stadersand.
In Höhe der nordwestlichen Spitze der Insel Hanskalbsand stand noch einmal eine Überquerung der Elbe bevor. Die ca. 1200 Meter wurden im Vollgasbetrieb gefahren. Diese Fahrt gegen die Wellen sorgte auch dafü,r dass wir zum zweiten Mal nass wurden. Wohlbehalten gelandet suchte Ralf dann irgend etwas am Boot unter den Packseilen und fragte mich dann ob ich denn vielleicht eine Tupperdose vorbei schwimmen gesehen habe. Nachdenklich geworden fragte ich „Was war denn da drin?“ „Unsere restlichen Lebensmittel“ war die Antwort. Na gut, so dachte ich. In einem ordentlichen Tupperhaushalt wird es ja nicht nur eine Tuppperdose geben. Aber ohne Essen auf einer Insel? Und so wurde der letzte Rest Mineralwasser geteilt und die Fahrt fortgesetzt. Vorher wurden noch Andreas Klar und Nicole Worthmann aus Salzwedel informiert, dass sie uns an der linken Elbseite abholen können. Bis zum Fähranleger Lühesand ging auch alles gut. Bis auf einmal ein lauter Hupton zu vernehmen war. Ein Blick zurück und eine von diesen Katamaranfähren war in einigem Abstand hinter uns zu sehen. Für die waren wir scheinbar auch nur ein normales Paddelboot. Noch ein letztes Mal Vollgas und die Fähre konnte wie gewohnt anlegen. Zwischen der Insel Lühesand und dem linken Elbufer ging es gemütlich aber auch ohne besondere Vorkommnisse weiter bis Stadersand, wo wir um 15:15 Uhr wohlbehalten landeten. Nachdem alles an Land gebracht war stiefelte Ralf erst einmal los, um Trinkwasser für einen Kaffee zu holen. Den Wassersack hatte er ja vorsichtshalber noch in Hamburg gänzlich entleert.
Irgendwann wurden wir dann auch abgeholt und es ging zurück nach Salzwedel. Nicht so ganz, denn der nächste Imbiss war erst einmal der Unsrige. Während des Essens grinste ich Ralf dann erst mal an, eben so wie er auch immer grinst. Seine Frage nach dem Warum wurde auch beantwortet. „Wenn die Fische in der Elbe die Tupperdose aufbekommen haben, dann habe sie jetzt auch etwas zu essen.“ Einen Kommentar dazu gab es nicht. Um 20:30 Uhr waren wir wieder in Salzwedel. Die Sachen wurden aus- und umgeladen und zwei abenteuerliche Tage fanden ihr Ende.
Während in Salzwedel unsere Erlebnisse zu Papier gebracht werden, ist Ralf schon wieder auf dem Wasser mit seinem Kajak, seinem eigentlichen wassersportlichen Betätigungsfeld. Hoffentlich hat er dabei nicht wieder so verrückte Ideen. Aber wo fängt schon verrückt an und wo hört es auf. Das weiß wohl niemand so genau. Vermissen möchte ich diese abenteuerliche Reise auf gar keinen Fall. Aber eines steht auch fest. Durch mich wäre die Schiffsschraube eines „HÜHNERSCHRECK“ Bootsmotors niemals in irgendein Wasser getaucht worden.
Motordaten
Luftgekühlter Einzylinder Zweitakt
Otto Motor
Bohrung 39,8mm / Hub 40mm
Hubraum 49,7 cm³ / Verdichtung 1:6,9
Leistung 1,3PS bei 4000 U/min
Kupplung: Spreizring im Ölbad laufend
Untersetzung: 4,3:1
Drehzahl der Propellerwelle 930 U/min
Propeller: 2 Flügel Druck
Fahrtgeschwindigkeit bis 18 Km/h je nach
Bootstyp
Tankinhalt ca 1,6 Liter
Kraftstoffverbrauch 4 Liter auf 100 Km***
oder 0,5 0,6 Liter je Stunde***
Motorgewicht ca 7Kg
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Angaben zur Fahrt
Die Elbe wurde in Bezug auf ihre Länge vom Km 523 bis zum Km 655 befahren. = 132 Km
Rechnet man noch die Querungen und die vielen
Ausweichstrecken (Schiffe, Wellen usw) dazu, so ist eine Gesamtstrecke von ca 140 Km annehmbar.
Gesamtlaufzeit des Motors: ca 12h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 11,6 Km/h
Benzinverbrauch gesamt: 8,4 Liter
Benzinverbrauch Ø 100 Km: 6,0
Benzinverbrauch Ø Stunde: 0,7
Zuladung des Bootes: 250Kg soll, 270Kg ist
Pannen an Boot und Motor: Keine
Stimmung: Fast immer superhoch
Trocken fallen durch Ebbe bzw Wellen: 2x
Kontakte mit der Wasserschutzpolizei: 1x
Wie oft die Sachen getrocknet: 3x
Wie oft das Boot entwässert: 2x
Verluste: 1 Tupperdose mit Restproviant
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Axel Erxlebe
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