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1000 Seen-Marathon 2017

Der 1000 Seen-Marathon ist für mich ein Art Saisonabschluss. Die Stimmung bei der Veranstaltung hat schon fast Festivalcharakter. Obwohl der Marathon eine Zeitfahrt ist, ist bei dieser Breitensportveranstaltung jeder herzlich willkommen. Kanuten in Rennbooten sind hierbei ebenso am Start, wie Familien und Wanderpaddler, die sich den ganzen Tag Zeit lassen. Zur Auswahl stehen drei Strecken mit 21km, 42km und 62km.

In diesem Jahr wollte ich wieder mit Caro im Roock-Schmidt K2 die 42km in Angriff nehmen. Eines der neusten Mitglieder im Kanusport Harburg (KSH), Robert, schloss sich uns an.

Bereits am Donnerstag machten wir uns auf die Reise nach Diemitz, zum C 24, dem Campingplatz von Biber-Tours, früh genug um auf dem noch recht leeren Platz an der Stelle unserer Wahl zu zelten.

Nach einer herrlich ruhigen Nacht und ausgiebigem Ausschlafen ging es aufs Wasser. Uwe, mit dem ich schon häufiger auf Schlei und Ostsee unterwegs war, schloss sich uns an. Wir paddelten eine schöne Runde, welche weitestgehend der Strecke des Halbmarathons entsprach, und konnten uns so wieder mit den geografischen Gegebenheiten vertraut machen. Zum Zeitpunkt unserer Rückkehr waren schon einige Paddler mehr angereist, darunter viele bekannte Gesichter, was zu ausgiebigen Schnackerein einlud. Das Angebot von Robert bekocht zu werden, nahmen wir gerne an. Am Abend berichtete Jörg Knorr in einem Vortrag über eine seiner Kajaktouren in Estland.

Samstag, der Tag des Marathons. An richtiges Ausschlafen war nicht zu denken. Überall hörte man Kanuten, die sich vorbereiteten. Also krochen wir auch aus unseren Zelten und starteten in den Tag. Nach einem kurzen Frühstück ging es mit den Booten zum zwei Kilometer entfernten Start. Über dem Spiegelglatten Wasser hing der Nebel. Statt uns an der Schleuse anzustellen, trugen wir das Boot um, um zum Start auf dem großen Peetschsee zu gelangen. Beim dortigen Starterfloß nannte jeder seine Startnummer und reihte sich anschließend, je nach Ambition, in eine der Startreihen ein. Bei uns wurde es die erste Reihe. Unser Plan: Vollgas auf den ersten zwei Kilometern bis zur Fleeter Mühle, der ersten Umtragestelle, und dann etwas den Druck rausnehmen und die Tour genießen.

Eine besondere Herausforderung in diesem Jahr war der noch immer starke Nebel. Am Start war dieser so dicht, dass man nur etwa 25 Meter weit blicken konnte und das gegenüberliegende Ufer nicht zu erkennen war.

Als das Rennen angezählt wurde, starteten die Ersten wie üblich etwas zu früh. Drei Sportler in Rennbooten, die offensichtlich die Strecke nicht kannten, zogen nach rechts, anstatt nach links in den Kanal einzubiegen. Durch den nicht so glücklichen Start wurde es eng und wir mussten anhalten, um andere Kanuten nicht zu überfahren. Als sich der Tumult wieder aufgelöst hatte, ging es weiter in den Vilzsee. Bei der Umtragestelle an der Fleeter Mühle kamen wir unter den ersten zehn Booten an, so dass wir diese, ohne anzustehen, schnell passieren konnten. Die Überraschung lauerte eine Ecke weiter: Auf dem Rätzsee sahen wir, dass wir nichts sahen. Der Nebel war so dicht, dass die Boote in zehn Meter Entfernung kaum mehr erahnt werden konnten. Vom Ufer war weit und breit nichts zu sehen. Hier hatten wir den Vorteil der Erfahrung. Immer wieder sahen wir Boote, die schräg vor uns kreuzten. Gar nicht so leicht war es, den „Ausgang“ aus dem See unter diesen Bedingungen zu finden. Weniger „Wegkundige“ hatten es sich bereits auf unserer Welle gemütlich gemacht. Kurz vor der Drosedower Bek, der nächsten schmalen Verbindung zweier Seen, wurden wir von einem Boot überholt, welches wir vor uns vermuteten. Es war sehr spannend nicht einschätzen zu können, wer alles vor oder hinter einem fuhr. Auch auf dem kommenden See tasteten wir uns durch den dicken Nebel vorwärts. Die ungefähre Richtung war klar, aber deutlich mehr Konzentration als bei guter Sicht notwendig und gefühlt drosselte dies das Tempo deutlich. Leider hatte keiner unserer Mitreisenden Lust, phasenweise die Spitze zu übernehmen. Tatsächlich fanden wir das Kontrollfloß, für Teilnehmer der 21km langen Strecke ist dies der Wendepunkt. Auch die kleineren Seen in Folge, auf welchen die Orientierung schon sehend kniffelig sein kann, brachten wir hinter uns-wenn auch sicher nicht in der Ideallinie, so dass wir schließlich in Wustrow die nächste Umtragestelle erreichten. Dort ließen wir uns etwas Zeit und trugen gehend um. Durch die ambitionierteren Kanuten in der Gruppe, welche liefen, waren wir nicht mehr das erste Boot der Gruppe, was uns ganz recht war. Noch immer war der Nebel recht dicht und wir uns auf dem Plätlinsee nicht mehr so sicher die Navigation betreffend. Das ging den Anderen wohl nicht anderes. So fuhren wir in Schlangenlinien über den See, ohne wirklich zu wissen, wo wir waren und wo genau wir hinwollten. Wider Aller Erwartungen fanden wir jedoch den versteckten Eingang in die Schwaanhavel.

In dieser waren wir mit dem Roock-Schmidt 2er wieder im Vorteil. Sehr robust gebaut und ohne Finne, wie bei den Rennbooten, konnten wir damit durch flaches Wasser, über Äste und umgefallene Bäume ohne zu zögern hinweg düsen. Und so einige Rennboote hinter uns lassen, nachdem es uns gelungen war, diese im kurvenreichen Gewässer zu überholen. Nach der Schwaanhavel hatten wir schon die Hälfte der Strecke geschafft und der Nebel war verschwunden. Über die Havel und über Ausläufer des Drewensee und Wangnitzsee ging es zügig weiter. Zwei, drei Mal zog ein schnelleres Boot an uns vorbei. Unterwegs trafen wir Carsten und Ariane in ihrem 2er, die sich die 62 Kilometer Strecke vorgenommen hatten und ihre Kräfte noch besser einteilen mussten. Nach ein paar gemeinsamen Minuten fuhren wir in unserm Tempo weiter und erreichten bald die Schleuse in Strasen. Da uns das Schleusen zu lange dauert, entschieden wir uns grundsätzlich immer für das Umtragen. Die Ausstiegsstelle ist nicht optimal, das Einsetzen erfolgt an einer etwa einen Meter tiefen Spundwand-aber dank der vielen Helfer und dem stabilen Tourenboot konnten wir auch diesen Abschnitt gut meistern. Nach der Überfahrt einiger weiterer Seen, in einem Abschnitt mit recht viel Motorbootverkehr, kamen wir in Canow zur zweiten Schleuse, unserer letzen Portage. Die in den letzten Jahren neu eingerichtet Anlage mit Lorenbahn und Stegen bietet optimale Bedingungen für das Umtragen. Die letzten gut zwei Kilometer über den Labussee erhöhten wir noch mal leicht das Tempo und konnten so noch einen Einer überholen, welcher nicht die kürzeste Strecke zum Ziel gewählt hatte. Im Ziel angekommen rief jemand: „4 – 0 – 6“ –was uns wunderte, waren wir uns doch sicher, durch den Nebel und den nicht so guten Trainingszustand die Zeit von Vorjahr mit 4:12 Stunden nicht erreicht zu haben. Es dauerte einen kleinen Moment bis uns aufging, dass unsere Startnummer 406 ausgerufen worden war.

Nachdem wir uns getrocknet und gestärkt hatten, nutzten wir die Gelegenheit um noch ein paar der ausgestellten Boote zu testen. Bei so vielen verschiedenen Ausstellern gibt es immer wieder hervorragende Möglichkeiten die verschiedensten Materialien auszuprobieren.

Im Rahmen der geselligen Zusammenkunft am Abend, mit Feuer, Musik, Gesprächen, Bildern und Geschichten des Tages, Getränken und so einigem mehr, gibt es auch eine Siegerehrung, bei welcher neben ein paar der schnellsten Sportler ebenso die ältesten und jüngsten Teilnehmer genannt werden. Die Veranstalter berichten sehr unterhaltsam von kleinen Geschehnissen des Tages.

Auch Sonntag gibt es wieder die Möglichkeit Boote & Co. zu testen oder entspannt mit Bekannten beisammen zu sitzen. Zu einem schon traditionellen Teil des Marathons gehört die Tombola. Die Starnummern dienen als Los und werden bunt gemischt gezogen. Der Zeltplatz wird langsam leerer und auch wir packen nach der Tombola zusammen und freuen uns schon aufs nächste Mal.

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